Internationale” lernen Deutsch wie die Weltmeister

Armband in Schwarz, Rot und Gold

Siegburg. Es ist wie ein kleines Wunder, ein Schuljahresanfang, dem ein Zauber inne wohnt, wie Hermann Hesse dichtete.

Da sitzen sie zusammen im Spätsommer 2013, 16 Jugendliche aus 9 Ländern in der Gemeinschaftshauptschule Neuenhof. Keiner spricht Deutsch, nur wenige können sich in ihrer Muttersprache verständigen. 25_06_2014_schulklasseDoch irgendwie klappt die Kommunikation. Mit Händen. Mit Füßen. Mit einem reich bebilderten Lehrbuch, dessen Kernaussagen die Teenager auch ohne Deutschkenntnisse erfassen. Und mit Irina Maué, die Deutsch als Fremdsprache unterrichtet und bisweilen auf ihr schauspielerisches Repertoire zurückgreift. Maué ist auch Theaterpädagogin. Willkommen in der “Internationalen Klasse” der GHS Neuenhof. Hier heißen die Schüler nicht Pascal Schmitz und Daniel Müller.

Sie heißen Bastri Maloku und kommen aus dem Kosovo. Oder aus Sri Lanka. Oder aus Syrien. Sie sind seit einem Jahr in Deutschland, tragen noch immer ihren Rucksack mit teils traumatischen Erfahrungen. Vieles ist anders bei den “Internationalen”. Hier lernen 12- bis 17-Jährige zusammen, das erinnert an die Volksschule früherer Tage. Der Schwerpunkt liegt auf dem Spracherwerb, dem Schlüssel zur Integration, Voraussetzung für eine Lehrstelle. Wenn Irina Maué und ihre Co-Klassenlehrerin Annette Hutmacher der Meinung sind, das Sprachniveau für den Besuch der Regelklassen ist erreicht, wechseln ihre Schützlinge. Einige sind schon jetzt Teilzeitlerner in den regulären Klassen. Beispielsweise in Mathe. Das ist individuelle Förderung, die den Schülern wohltut. Sie lernen rasend schnell. “Ben liebt Anna” von Peter Härtling lesen sie momentan. In einer sprachlich vereinfachten Form. Aber Klassiker bleibt Klassiker. Als Bürgermeister Franz Huhn Maué gestern ein dickes Kompliment ausspricht, gibt die Pädagogin das Lob unmittelbar an ihre Eleven weiter. “Die Schüler sind sehr motiviert. Das macht Spaß.” Huhn lädt ein: “Fühlt euch wohl bei uns, ihr macht unser Land reicher und bunter. Sprecht mich an, wenn ihr ein Anliegen habt!” Er will und wird vermitteln. Den Kindern den Weg in die Vereine bahnen. Damit sie auch außerhalb des Unterrichts ankommen in Siegburg. Das Jugendamt will Maués Arbeit unterstützen. Die Traumata mancher Kinder verlangen nach dem Einsatz von weiteren Fachleuten. Nicht in sprachlicher, in psychologischer Hinsicht. Wer denn Weltmeister wird, will Huhn schließlich wissen. Das verlegene Schweigen lässt sich nicht brechen. Beantwortet wird die Frage nonverbal. Armbändchen in den Farben Schwarz, Rot und Gold schmücken die Handgelenke zweier junger Damen. Foto (im Uhrzeigersinn von vorne links): Hazar Ince (Türkei), Muhamad Maamo (Syrien), Lehrerin Irina Maué, Batri Maloku (Kososvo), Hariwan Al-Abrahim (Iran) und Iwan Maamo (Syrien), Bürgermeister Franz Huhn.

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